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Rösch Linux

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Testbericht Rösch Linux

Dass der beliebte freie Un*x-Clone Linux schon lange auch für Plattformen abseits des PC-Mainstreams verfügbar ist, ist eine Binsenweisheit: Auf der diesjährigen CeBit feierte dieses Betriebssystem fröhliche Urständ auf einer Reihe von Webpads und Handhelds, Versionen für Plattformen wie 68000, Alpha, ARM, IA-64, Mips, PA-RISC, Power-PC, Sparc und andere gibt es schon lange.

Weniger bekannt hingegen ist die Tatsache, daß Linux auch auf mancher Hardware läuft, die auf den ersten Blick nichts mit Computern gemein hat, sogenannten Embedded-Systemen und Home-Appliances zum Beispiel.

So hat der Lebensmittel-Discounter PLUS nach längerer Ankündigung nun endlich Rösch Linux für Waschmaschinen im Angebot, zu einem Kampfpreis von 10.99 DM. Grund genug für unser Test-Team, diese Distro mal auf Herz und Nieren zu prüfen.
Linux

Im Ladenlokal angekommen zeigte sich, dass ausreichend Bestände des Pakets vorhanden waren. Äußerlich machte die Distro gleich einen guten Eindruck, man bekommt hier nicht einen mageren Satz CD's in die Hand gedrückt, sondern ein solides und hübsch anzuschauendes Paket. Allerdings ist der bei GNU/Linux sonst allgegenwärtige Pinguin nirgends zu finden. Dass das Paket über 7kg auf die Waage bringt, berechtigt zu den schönsten Hoffnungen, was den Lieferumfang angeht.

Im Testlabor macht sich beim Öffnen des Pakets jedoch eine gewisse Ernüchterung breit: Es ist kein Handbuch enthalten, ein Rückruf beim Hersteller bestätigt dies, die knappen Hinweise auf dem Karton müssen ausreichen. Der geneigte Anwender ist so genötigt, sich seine Informationen selbst aus dem Internet zu besorgen. Auf der Homepage des Herstellers (http://www.waschmittel.com) ist diese neue Distro allerdings noch nirgends zu finden.

Dafür ist das Paket allerdings randvoll mit Linux, und so läßt sich das Test-Team nicht entmutigen und bereitet den ersten Test vor. Zum Einsatz kommt hier eine uralte Hardware eines renommierten Herstellers, zusammen mit einem Packen olfaktorisch hochaktiver, bunter Socken.
Die Frage ist: Wird es gelingen, die alte Maschine mit der brandneuen Distro zum Laufen zu bekommen? - Dass auf jegliche Fensteroberfläche verzichtet werden muß, ist angesichts des Alters der Hardware von vornherein klar: Sie verfügt nur über ein frontseitiges Blechpanel, wo modernere Apparate das Guckloch haben.
Testsystem

Nun ja, um es kurz zu machen:
Das Gerät bootete nach dem Einlegen von Linux und darauffolgendem Neustart ohne Murren, fast sämtliche Komponenten wie Laugenpumpe, Antrieb, Magnetventile, Heizstäbe usw. wurden einwandfrei erkannt und funktionierten auf Anhieb ohne manuelles Eingreifen. Lediglich die verwendete Wäschesorte mußte von Hand eingestellt werden (speziell die Temperatur), nachdem es zunächst im High-Color-Betrieb zu merkwürdigen Verfärbungen und einem kräftigen Kisseneffekt gekommen war.
Ein Blick auf die Konsole ergab, daß hier 90°C eingestellt waren, der Fehler war im Nu beseitigt und derlei Unbill trat nicht mehr auf. In weiteren Tests wird zu klären sein, ob dieses Verhalten auch bei Geräten mit modernerer Hardware auftritt.
Dieser Erfolg läßt das fehlende Handbuch verschmerzen, Nachschlagen war angesichts der selbsterklärenden Arbeitsweise wirklich nicht nötig.
Leider liegt dem Paket kein Dosierbecher bei.

Die Maschine erreichte eine Uptime von einer Stunde und 20 Minuten, dann war das Programm beendet. Auch im harten Einsatz mit Applikationen wie Schleudern unter hoher Last stürzte sie nicht ab.

Eine zweite Testserie wurde auf einer anderen Hardware durchgeführt, einem Geschirrspüler, ebenfalls von einem Markenhersteller.
Auch dieses Gerät bootete zunächst einwandfrei, bereitete im weiteren Betrieb dann jedoch schon nach kurzer Zeit unerwartet Probleme:
Beim Rendering hochglänzender Porzellan- und Glasoberflächen kam das Programm reproduzierbar zu völlig falschen Ergebnissen, der Output war zumindest äußerst unansehnlich. Damit scheidet Rösch Linux für Freunde exzessiver Glare-, Flare- und Lens-Effekte definitiv aus.
Allerdings war das Betriebssystem selbst nicht betroffen, die Maschine blieb stets noch über die Konsole bedienbar, so dass sie kontrolliert heruntergefahren werden konnte.
Nun ist diese Linux-Distribution ausdrücklich nur für Waschmaschinen vorgesehen. Daher floß dieses Testergebnis auch nicht in die Bewertung mit ein. Es soll nur zeigen, daß selbst Linux an seine Grenzen gerät, wenn man versucht, es auf ungeeigneter Hardware zu betreiben. Wie immer gilt auch hier der Grundsatz, sich am besten vorher gründlich über die Kompatibilität mit der vorhandenen Hardware zu informieren, oder besser noch, die Hardware für das Zielsystem anhand dessen Kompatibilitätsliste anzuschaffen.

Angesichts des letzten Ergebnisses haben wir darauf verzichtet, Rösch Linux auch auf der PC-Plattform zu testen, zumal der einzige vorhandene Meßbecher für die CD-Schublade ungünstig geformt war und Linux durch das darin befindliche Loch fallen würde.

Fazit: Diese neue Distro bietet alles, was ein gutes Linux braucht, sie arbeitet stabil und zuverlässig. Dank ihrer ressourcenschonenden Arbeitsweise ist sie auch für sehr alte Hardware gut geeignet. Sicherlich wird sie sich einen festen Platz im Herzen vieler Linux-Anwender erobern können.
Der Hersteller sollte sich lediglich dazu durchringen, ein vernünftiges deutsches Handbuch wenigstens im Internet bereit zu stellen und einen Dosierbecher dazu zu legen.

Prädikat: empfehlenswert ***

Verbesserungsvorschlag für die Verpackung:
Besser ist das
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